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Corporate Design: Was dazugehört und wie ein einheitliches Erscheinungsbild entsteht

Was Corporate Design ist, woraus es besteht und wie aus Logo, Farben und Schrift ein System wird, das auf der Website genauso funktioniert wie auf Papier.

Gestaltungsentwürfe und Brille

Ein neues Logo ist schnell bestellt. Ein Erscheinungsbild, das auf der Website, im Angebot, am Messestand und auf dem Firmenwagen gleich klar wirkt, braucht mehr: ein durchdachtes Corporate Design. Dieser Ratgeber erklärt, was der Begriff genau bezeichnet, wie er sich von Corporate Identity und Branding unterscheidet, welche Bestandteile dazugehören und wie aus Styleguide und Designsystem ein Auftritt wird, der auch nach Jahren noch einheitlich ist.

Corporate Design: Definition

Corporate Design, kurz CD, bezeichnet das einheitliche visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Organisation. Der Begriff umfasst alle gestalterischen Elemente, an denen Menschen ein Unternehmen erkennen: Logo, Farben, Schriften, Bildsprache, Icons, Gestaltungsraster und die Regeln, nach denen diese Elemente zusammenspielen. Im Deutschen spricht man auch vom Unternehmenserscheinungsbild.

Das wichtigste Wort in dieser Definition ist „einheitlich“. Ein Logo allein ist noch kein Corporate Design. Erst wenn feststeht, wie Logo, Farben und Schrift auf einer Visitenkarte, einer Produktseite, einer Stellenanzeige und einem Messestand eingesetzt werden, entsteht ein System. Mit diesem System ist ein Unternehmen an jedem Kontaktpunkt als derselbe Absender erkennbar, und Kunden bekommen auf den ersten Blick ein stimmiges Bild.

Corporate Design ist kein Thema, das nur Konzerne betrifft. Auch Handwerksbetriebe, Arztpraxen, Vereine, Kommunen und Start-ups haben ein Erscheinungsbild, ob es geplant ist oder nicht. Der Unterschied liegt darin, ob es bewusst gestaltet wurde oder über Jahre zufällig gewachsen ist.

Die Ziele eines Corporate Designs

Ein gutes Corporate Design soll vor allem sechs Dinge schaffen:

  • Wiedererkennung: Kunden erkennen Ihr Unternehmen, bevor sie den Namen gelesen haben, etwa an der Farbe.
  • Unterscheidung: Das Erscheinungsbild grenzt Sie von anderen Anbietern im Wettbewerb ab, besonders in Branchen, in denen alle ähnlich auftreten.
  • Vertrauen: Ein stimmiger Auftritt signalisiert Sorgfalt. Wer beim Erscheinungsbild auf Details achtet, dem traut man das auch bei Produkten und Service zu.
  • Orientierung: Feste Regeln für Farben, Schriften und Layouts helfen Kunden, sich schneller zurechtzufinden.
  • Effizienz: Mitarbeitende, Druckereien und Partner müssen nicht jedes Mal neu überlegen, wie etwas aussehen soll. Vorlagen und Richtlinien sparen Abstimmungen.
  • Identifikation nach innen: Ein Auftritt, hinter dem das Team steht, stärkt die Bindung und hilft bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden.

Corporate Design in Abgrenzung zu Corporate Identity und Branding

Rund um das Thema Marke gibt es viele Begriffe, die im Alltag oft durcheinandergehen. Die wichtigste Unterscheidung vorab: Corporate Design ist ein Bestandteil der Corporate Identity, kein anderes Wort dafür.

Die Corporate Identity, kurz CI, beschreibt die Identität eines Unternehmens als Ganzes: wofür es steht, wie es sich verhält, wie es kommuniziert und wie es aussieht. In der klassischen Einteilung gehören neben dem Corporate Design auch Corporate Communication und Corporate Behaviour dazu. Corporate Communication meint die gesamte Unternehmenskommunikation nach innen und außen, Corporate Behaviour das Verhalten gegenüber Kunden, Mitarbeitenden, Partnern und Öffentlichkeit. Manche Modelle ergänzen weitere Bereiche wie Corporate Language oder Corporate Sound.

Branding ist der Prozess, eine Marke gezielt aufzubauen und zu führen. Es beginnt bei der Markenstrategie mit Markenkern, Zielgruppen und Positionierung und reicht bis zur Umsetzung in Design, Sprache und Service. Das Corporate Design übernimmt darin die visuellen Aufgaben: Es macht die Strategie sichtbar.

BegriffWas er bezeichnetLeitfrage
Corporate IdentitySelbstverständnis und Identität des Unternehmens mit allen AusdrucksformenWer sind wir?
Corporate DesignVisuelles Erscheinungsbild: Logo, Farben, Typografie, Bildsprache, Raster, VorlagenWie sehen wir aus?
Corporate CommunicationKommunikation nach innen und außen, Tonalität, BotschaftenWie sprechen wir?
Corporate BehaviourVerhalten gegenüber Kunden, Mitarbeitenden, Partnern und ÖffentlichkeitWie handeln wir?
MarkenstrategieLangfristiger Plan mit Markenkern, Zielgruppen, Positionierung und MarkenversprechenWofür stehen wir, und für wen?
BrandingAufbau und Führung einer Marke, von der Strategie bis zur UmsetzungWie wollen wir wahrgenommen werden?

Für die Praxis heißt das: Ein Corporate Design kann nur so klar sein wie die Identität, die es ausdrückt. Wenn niemand sagen kann, wofür ein Unternehmen steht, lässt sich auch nicht entscheiden, ob ein Logo passt. Deshalb steht die Strategie vor der Gestaltung. Wie ein Branding-Prozess abläuft, lesen Sie auf unserer Seite zur Branding-Agentur.

Woher das Corporate Design kommt

Als einer der frühesten Vorläufer gilt die Arbeit des Architekten und Gestalters Peter Behrens für die AEG. Ab 1907 gestaltete er für das Berliner Elektrounternehmen nicht nur Logo und Werbemittel, sondern auch Produkte wie Lampen und Wasserkessel bis hin zu Fabrikgebäuden. Der gesamte Auftritt eines Unternehmens folgte damit einer gemeinsamen gestalterischen Linie.

In der Nachkriegszeit prägte die Hochschule für Gestaltung Ulm das Verständnis von systematischem Design. Otl Aicher entwickelte mit einer Gruppe aus Ulm in den 1960er-Jahren das Erscheinungsbild der Lufthansa, das mit klaren Regeln für Farben, Schrift und Anordnung bis heute als Musterbeispiel eines konsequenten Corporate Designs gilt. Bekannt wurde Aicher auch durch die Piktogramme der Olympischen Spiele 1972 in München.

Seitdem hat sich vor allem der Einsatzbereich verändert. Früher standen Briefbogen, Anzeige und Firmenschild im Mittelpunkt. Heute muss ein Erscheinungsbild zuerst digital funktionieren: auf dem Smartphone, als rundes Profilbild in Social Media und als Favicon im Browser-Tab.

Die Bestandteile eines Corporate Designs

Welche Elemente ein Corporate Design umfasst, hängt von Größe und Branche ab. Die folgenden Bausteine gehören fast immer dazu, und jeder davon muss zu den anderen passen.

Logo

Das Logo ist das zentrale Erkennungszeichen und oft der erste Baustein, an den Unternehmen denken. Es kann eine Wortmarke sein, die nur aus dem gestalteten Namen besteht, eine Bildmarke mit einem Symbol oder eine Wort-Bild-Marke als Kombination aus beidem. Ein gutes Logo funktioniert in vielen Größen, in Farbe und in Schwarzweiß. Dafür braucht es mehrere Varianten: quer und hochkant, mit und ohne Zusatz, als verkleinertes Zeichen für Favicon und App-Icon. Wie Sie gute von schwachen Logos unterscheiden und welche Dateiformate Sie brauchen, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Logo-Design.

Farben

Die Farbpalette besteht meist aus einer oder zwei Hauptfarben, einigen Ergänzungsfarben und neutralen Tönen für Text, Hintergründe und Linien. Für die Website kommen Signalfarben für Hinweise, Fehlermeldungen und Erfolgsmeldungen hinzu. Jede Farbe wird für alle Medien definiert: als RGB- und Hex-Wert für Bildschirme, als CMYK-Wert für den Vierfarbdruck, als Sonderfarbe nach Pantone oder HKS für besonders farbtreuen Druck und bei Bedarf als RAL-Ton für Lacke, Schilder und Fahrzeuge. Ganz identisch sehen Farben auf Papier, Stoff und Bildschirm jedoch nie aus. Umso wichtiger ist ein festgelegter Referenzwert.

Welche Farbe zu einem Unternehmen passt, hängt von Positionierung, Zielgruppe und Wettbewerb ab. Farben wecken Assoziationen, die aber stark von Kultur und Kontext abhängen. Was dahintersteckt, erklärt unser Beitrag zur Farbpsychologie. Farbkombinationen mit starkem Kontrast behandelt der Artikel über Komplementärfarben.

Typografie

Typografie umfasst die Auswahl der Schriften und die Regeln für ihren Einsatz: welche Schrift für Überschriften, welche für Fließtext, in welchen Größen, Schnitten und Zeilenabständen. Viele Unternehmen kommen mit einer oder zwei Schriftfamilien aus. Achten Sie darauf, dass die Lizenz alle Einsatzbereiche abdeckt. Eine Lizenz für Desktop-Programme deckt in der Regel nicht automatisch auch die Einbindung auf der Website oder in einer App ab. Für Office-Dokumente wie Angebote und Präsentationen braucht es oft eine Ersatzschrift, die auf jedem Rechner vorhanden ist.

Bildsprache

Die Bildsprache legt fest, wie Fotos, Illustrationen und Grafiken aussehen: eher sachlich oder emotional, mit Menschen oder Produkten im Mittelpunkt, hell und luftig oder kontrastreich. Dazu gehören Vorgaben zu Bildausschnitt, Licht, Farbstimmung und Nachbearbeitung. Eine klare Bildsprache ist auch ein praktisches Werkzeug. Sie dient als Briefing für Fotoshootings und als Maßstab bei der Auswahl von Stockfotos, damit nicht jedes Bild eine andere Geschichte erzählt.

Icons und grafische Elemente

Icons, Linien, Formen und Muster sind kleine Elemente, beeinflussen den Gesamteindruck aber stark. Ein einheitlicher Icon-Stil mit gleicher Strichstärke, gleichen Ecken und gleicher Größe wirkt ruhig und professionell. Ein Mix aus Icons verschiedener Quellen fällt dagegen sofort auf. Viele Erscheinungsbilder nutzen zusätzlich ein grafisches Element, das aus dem Logo abgeleitet ist, etwa eine Form, einen Winkel oder eine Linie, die sich durch alle Medien zieht.

Gestaltungsraster

Das Gestaltungsraster ist das unsichtbare Gerüst hinter jeder Seite. Es legt Spalten, Abstände, Ränder und die Position von Logo und Text fest. Im Druck schafft es Zusammenhalt: Briefbogen, Flyer und Anzeigen gehören erkennbar zusammen. Auf der Website bestimmt das Raster, wie sich Inhalte auf verschiedenen Bildschirmbreiten anordnen. Hier muss es flexibel sein, denn ein Layout mit zwölf Spalten auf dem Desktop wird auf dem Smartphone zu einer einzigen Spalte. Die Technik dahinter erklärt unser Beitrag zum Responsive Webdesign.

Layouts und Vorlagen

Aus Logo, Farben, Schrift und Raster entstehen konkrete Layouts: Geschäftsausstattung mit Visitenkarte, Briefbogen und E-Mail-Signatur, Angebots- und Präsentationsvorlagen, Vorlagen für Social-Media-Beiträge und Stellenanzeigen, Beschilderung, Fahrzeugbeschriftung und Arbeitskleidung. Vorlagen sind der Teil des Corporate Designs, der im Alltag am häufigsten genutzt wird. Sie entscheiden darüber, ob die Regeln tatsächlich eingehalten werden.

Weitere Elemente

Je nach Unternehmen kommen Regeln für Animationen, Infografiken, Verpackungen, Räume oder ein akustisches Erkennungszeichen hinzu. Ein Handwerksbetrieb braucht aber eher klare Regeln für Fahrzeug und Arbeitskleidung als ein Soundlogo.

Der Styleguide als Regelwerk für alle Beteiligten

Der Styleguide, auch Corporate Design Manual, Brand Guidelines oder Gestaltungsrichtlinien genannt, fasst alle Regeln an einem Ort zusammen. Mitarbeitende, Druckereien, Fotografen und Agenturen arbeiten so mit denselben Vorgaben. Ein guter Styleguide erklärt auch, warum eine Regel gilt. Wer den Grund kennt, hält sich eher daran.

Diese Inhalte gehören in einen vollständigen Styleguide:

  • Kurze Einführung: wofür die Marke steht und welche Wirkung das Design erzielen soll
  • Logo mit allen Varianten, Schutzzone, Mindestgröße und Beispielen für falsche Anwendung
  • Farbpalette mit Werten für RGB, Hex, CMYK und Sonderfarben sowie Regeln zur Gewichtung
  • Schriften mit Hierarchie, Größen, Zeilenabständen und Ersatzschriften
  • Bildsprache mit Beispielen und Negativbeispielen
  • Icons, grafische Elemente und Gestaltungsraster
  • Anwendungsbeispiele für die wichtigsten Medien
  • Download-Bereich mit Logodateien und Vorlagen sowie eine Ansprechperson für Fragen

Für kleinere Unternehmen reicht oft eine kompakte Fassung mit wenigen Seiten. Wichtiger als der Umfang ist, dass der Styleguide gefunden und genutzt wird. Eine Online-Version, die zentral gepflegt wird, hat gegenüber einem PDF einen Vorteil: Es kursieren keine veralteten Fassungen mit falschen Informationen.

Vom Styleguide zum Designsystem für die Website

Ein klassischer Styleguide beschreibt vor allem Druckprodukte. Für eine Website reicht das nicht. Dort braucht es Antworten auf Fragen, die ein Briefbogen nie stellt: Wie sieht ein Button aus, wenn man mit der Maus darüberfährt? Welche Farbe hat eine Fehlermeldung im Formular? Wie verhalten sich Überschriften auf dem Smartphone? Diese Antworten liefert ein Designsystem.

Ein Designsystem übersetzt das Corporate Design in wiederverwendbare Bausteine für digitale Anwendungen. Buttons, Formularfelder oder Teaser werden einmal entworfen und geprüft, danach greifen Design und Entwicklung auf jeder Seite darauf zurück. Meist besteht ein solches System aus drei Ebenen:

EbeneInhaltBeispiele
Design TokensGrundwerte als benannte VariablenPrimärfarbe, Textfarbe, Schriftgröße für Fließtext, Abstand „mittel“
KomponentenWiederverwendbare Elemente, gebaut aus den GrundwertenButton, Formularfeld, Teaser, Navigation, Hinweisbox
Muster und SeitenvorlagenKombinationen von Komponenten für typische SeitenLeistungsseite, Blogartikel, Kontaktbereich, Stellenanzeige

Design Tokens sind der Punkt, an dem Gestaltung und Technik zusammenkommen. Statt einen Farbwert an hundert Stellen im Code zu wiederholen, wird er einmal als Variable festgelegt und überall verwendet. Ändert sich die Farbe, reicht eine einzige Anpassung. In CSS sieht das zum Beispiel so aus:

:root {
  --farbe-primaer: #0b4f8a;
  --farbe-akzent: #e8772e;
  --farbe-text: #1c2430;
  --schrift-basis: "Hausschrift", system-ui, sans-serif;
  --abstand-m: 1.5rem;
}

In Designprogrammen wie Figma liegen dieselben Farben, Schriften und Komponenten als Bibliothek bereit, im Code als Variablen. So schleichen sich mit neuen Seiten keine kleinen Abweichungen ein.

Beim Übergang vom Papier auf den Bildschirm zeigen sich oft Schwächen, die im Druck nicht auffallen:

  • Kontrast: Hellgraue Schrift auf weißem Grund wirkt im Druck elegant, ist am Bildschirm aber für viele Menschen schwer lesbar. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) verlangen auf Stufe AA für normalen Text ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1, für große Schrift sowie für Bedienelemente wie Buttons und Formularfelder mindestens 3:1. Details erklärt unser Beitrag zu den WCAG.
  • Schriften und Ladezeit: Webfonts brauchen eine passende Lizenz und sollten sparsam eingesetzt werden. Jeder zusätzliche Schnitt verlängert die Ladezeit.
  • Logo in kleinen Größen: In der mobilen Navigation steht wenig Platz zur Verfügung. Ein breites Logo mit Unterzeile wird dort schnell unleserlich.
  • Farben für Zustände: Links, Buttons und Formulare brauchen Farben für Zustände wie Hover, Fokus, deaktiviert und Fehler. In reinen Print-Styleguides fehlen sie fast immer.
  • Dunkler Modus: Wenn eine Website oder App einen dunklen Modus anbietet, braucht die Palette dafür eigene, geprüfte Varianten.

Wer ein neues Corporate Design plant, sollte die Website deshalb von Anfang an mitdenken. Mehr zur Entwicklung digitaler Designsysteme finden Sie auf unserer Seite zum UX/UI-Design. Was barrierearme Gestaltung nach WCAG 2.2 in der Praxis bedeutet, beschreibt die Seite Barrierefreie Website.

So entsteht ein Corporate Design

Wer ein Corporate Design gestalten lässt, durchläuft in den meisten Agenturen einen ähnlichen Ablauf. Die Dauer hängt vom Umfang ab: Ein kompaktes Erscheinungsbild für einen kleinen Betrieb ist ein anderes Projekt als ein System für eine Unternehmensgruppe mit mehreren Marken.

  1. Bestandsaufnahme

    Zuerst wird gesammelt, was heute im Umlauf ist: Website, Drucksachen, Schilder, Fahrzeuge, Social-Media-Profile, Präsentationen. Dazu kommt ein Blick auf den Wettbewerb. So wird sichtbar, welche Elemente bereits Wiedererkennung haben und wo Wildwuchs entstanden ist.

  2. Strategie und Briefing

    Markenkern, Werte, Zielgruppen und Positionierung werden geklärt, oft in einem Workshop. Daraus entsteht ein Briefing mit klaren Zielen: Wie soll das Unternehmen wirken, und wie ausdrücklich nicht?

  3. Konzept und Designrichtungen

    Auf Basis der Strategie entstehen Moodboards und erste Entwürfe. Bewährt haben sich zwei bis drei unterschiedliche Richtungen, damit eine echte Auswahl besteht.

  4. Test an echten Anwendungen

    Gezeigt werden die Entwürfe an realen Beispielen: Startseite der Website, Visitenkarte, Social-Media-Beitrag, Fahrzeug. Erst dort zeigt sich, ob ein Entwurf im Alltag funktioniert.

  5. Ausarbeitung

    Die gewählte Richtung wird verfeinert und vervollständigt: Logo-Varianten, Farbwerte für alle Medien, Schrifthierarchie, Bildsprache, Icons und Raster. Das Logo wird als Vektordatei sauber reingezeichnet.

  6. Styleguide und Designsystem

    Alle Regeln werden dokumentiert, Vorlagen erstellt und die Grundwerte für die Website als Design Tokens angelegt.

  7. Einführung und Pflege

    Das neue Erscheinungsbild wird schrittweise oder zu einem Stichtag eingeführt. Danach braucht es eine zuständige Person, die Fragen beantwortet, neue Vorlagen freigibt und den Styleguide aktuell hält.

Oft unterschätzt wird die Einführung. Ein Zeitplan, der festlegt, was zuerst umgestellt wird, verhindert, dass alter und neuer Auftritt jahrelang nebeneinander existieren. Als Startpunkt eignet sich die Website gut, weil sie sich vergleichsweise schnell umstellen lässt und viele Menschen erreicht. Wenn Sie dafür einen Relaunch planen, hilft unsere Relaunch-Checkliste.

Das Minimum für kleine Unternehmen

Nicht jedes Unternehmen braucht ein Handbuch mit hundert Seiten. Für Gründer, Selbstständige und kleine Betriebe genügt in der Regel ein kompaktes Paket, das später wachsen kann:

  • Logo in Hauptversion, einfarbiger Version und Negativversion für dunkle Hintergründe
  • Kleine Variante für Favicon und Profilbilder
  • Eine Hauptfarbe, eine bis zwei Ergänzungsfarben und neutrale Töne mit allen Farbwerten
  • Eine Schrift für Überschriften und eine für Text mit Weblizenz, oder eine Familie für beides
  • Einige Sätze zur Bildsprache mit Beispielfotos
  • Vorlagen für Visitenkarte, Briefbogen, E-Mail-Signatur und Social-Media-Beiträge
  • Ein kurzer Styleguide, der all das auf wenigen Seiten zusammenfasst

Dieses Minimum sollte trotzdem durchdacht sein. Ein kleines Corporate Design lässt sich jederzeit um Vorlagen und Anwendungen ergänzen. Ein schwaches Logo lässt sich dagegen später nur mit Aufwand austauschen, weil es dann schon auf Schildern, Fahrzeugen und Drucksachen steht.

Was starke Beispiele gemeinsam haben

Die bekanntesten Beispiele für Corporate Design stammen von großen Marken. Übertragen lässt sich aber vor allem das Prinzip, nicht das Budget.

  • Konsequente Farbe: Die Deutsche Telekom ist so eng mit ihrem Magenta verbunden, dass die Farbe allein als Erkennungszeichen reicht. Ähnlich funktioniert das Lila von Milka. Solche Verbindungen entstehen nur, wenn eine Farbe über viele Jahre konsequent eingesetzt wird.
  • Einfache Form: Das Logo der Deutschen Bank, ein Schrägstrich in einem Quadrat, stammt von dem Grafiker Anton Stankowski und wird seit den 1970er-Jahren eingesetzt. Es kommt ohne Worte aus und bleibt in jeder Größe erkennbar.
  • Klare Regeln: Das Erscheinungsbild der Lufthansa zeigt, wie viel ein festes System aus Farbe, Schrift und Anordnung bewirken kann. Der Kranich im Kreis ist über Jahrzehnte das zentrale Zeichen geblieben, auch wenn das Erscheinungsbild mehrfach überarbeitet wurde.
  • Zurückhaltung: Apple setzt seit langer Zeit auf ein reduziertes Erscheinungsbild mit viel Weißraum, ruhiger Typografie und großen Produktfotos. Wiedererkennbar wird der Auftritt durch die Konsequenz, mit der wenige Elemente eingesetzt werden.

Für mittelständische Unternehmen lässt sich daraus ableiten: Wenige Elemente, konsequent eingesetzt, wirken stärker als viele Elemente, die jedes Mal anders aussehen. Ein Handwerksbetrieb, dessen Fahrzeuge, Arbeitskleidung, Website und Angebote dieselbe Farbe und dasselbe Logo tragen, wird in der Region schneller erkannt als ein Betrieb mit wechselndem Auftritt.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Gestaltung ohne Strategie: Wer nicht strategisch vorgeht und vorher klärt, wofür das Unternehmen steht, diskutiert über Geschmack statt über Wirkung. Das Ergebnis ist oft beliebig.
  • Nur für Print gedacht: Schriften ohne Weblizenz, Farben mit zu wenig Kontrast und Logos, die klein nicht funktionieren, fallen erst bei der Website auf. Dann wird nachgebessert, statt von Anfang an digital zu planen.
  • Zu viele Elemente: Fünf Hauptfarben, drei Schriftfamilien und mehrere Logo-Versionen ohne Regeln erzeugen genau die Uneinheitlichkeit, die ein Corporate Design verhindern soll.
  • Trends statt Haltbarkeit: Verläufe, Effekte und Modeschriften wirken schnell veraltet. Ein Erscheinungsbild sollte viele Jahre halten. Aktuelle Strömungen gehören eher in Kampagnen als in das Logo. Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen gibt unser Beitrag zu den Webdesign-Trends.
  • Kein Styleguide oder niemand kennt ihn: Regeln, die nur in einem Ordner stehen, werden nicht angewendet. Neue Mitarbeitende und Partner müssen wissen, wo sie Vorlagen und Dateien finden.
  • Keine Zuständigkeit: Ohne eine Person, die Fragen beantwortet und Ausnahmen entscheidet, entsteht nach wenigen Jahren wieder Wildwuchs.
  • Fehlende Dateien: Klären Sie vor der Beauftragung, welche Dateien und Nutzungsrechte Sie erhalten. Ohne Vektordateien des Logos wird jede spätere Anwendung zum Problem.
  • Neuanfang ohne Not: Ein komplett neues Erscheinungsbild gibt Wiedererkennung auf, die über Jahre entstanden ist. Eine behutsame Weiterentwicklung ist häufig der bessere Weg.

So prüfen Sie Ihr bestehendes Erscheinungsbild

Legen Sie alles, was Ihr Unternehmen nach außen zeigt, nebeneinander: Screenshots der Website, Visitenkarten, Angebote, Flyer, Fotos von Fahrzeugen und Schildern, Ihre Social-Media-Profile. Beantworten Sie dann diese Fragen:

  • Wirkt alles, als käme es vom selben Absender?
  • Liegt das Logo als Vektordatei vor, zum Beispiel als SVG oder PDF?
  • Sind die Farbwerte für Bildschirm und Druck festgelegt, und werden sie überall gleich verwendet?
  • Haben die Schriften eine Lizenz für die Website?
  • Erreichen Texte und Buttons auf der Website ausreichend Kontrast?
  • Ist das Logo als Favicon und in der mobilen Navigation noch erkennbar?
  • Wissen neue Mitarbeitende, wo Vorlagen und Richtlinien liegen?
  • Passt der Auftritt noch zu Ihrem heutigen Angebot und Ihren Zielgruppen?

Wenn Sie mehrere Fragen mit Nein beantworten, lohnt sich ein genauerer Blick. Nicht immer ist ein neues Corporate Design nötig. Oft reicht es, vorhandene Elemente zu ordnen, die Farbpalette für den Bildschirm zu schärfen und einen Styleguide einzuführen.

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Corporate Design und Website aus einem Team

Bei dpi Design begleitet Christoph Zillgens Corporate-Design-Projekte vom Markenworkshop bis zum Styleguide. Weil Markenaufbau und Webdesign bei uns im selben Team liegen, wird Ihr Erscheinungsbild direkt zum Designsystem Ihrer Website. Leistungen und Ablauf finden Sie auf unserer Seite Corporate Design. Der Preis richtet sich nach dem Umfang: Nach einem kostenlosen Erstgespräch erhalten Sie innerhalb von drei Werktagen ein Festpreisangebot.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Corporate Design und Corporate Identity?

Die Corporate Identity umfasst die gesamte Identität eines Unternehmens: Werte, Verhalten, Kommunikation und Erscheinungsbild. Das Corporate Design ist davon der visuelle Teil, also alles, was man sieht, vom Logo über Farben und Schriften bis zu Vorlagen und Website.

Was gehört mindestens zu einem Corporate Design?

Ein Logo in mehreren Varianten, eine definierte Farbpalette mit Werten für Bildschirm und Druck, eine oder zwei Schriften mit passender Lizenz, einige Regeln zur Bildsprache und ein kurzer Styleguide. Dazu kommen Vorlagen für die Anwendungen, die Sie im Alltag am häufigsten nutzen.

Ist ein Styleguide dasselbe wie ein Corporate Design?

Nein. Das Corporate Design ist das Erscheinungsbild selbst. Der Styleguide ist das Dokument, das dieses Erscheinungsbild beschreibt und die Regeln für seinen Einsatz festhält. Für Websites und Apps wird er oft durch ein Designsystem mit Komponenten und Design Tokens ergänzt.

Wie lange dauert die Entwicklung eines Corporate Designs?

Wie lange die Entwicklung eines Corporate Designs dauert, hängt vom Umfang ab. Ein kompaktes Erscheinungsbild für ein kleines Unternehmen ist in einigen Wochen möglich, ein umfangreiches System mit vielen Anwendungen dauert deutlich länger. Oft bestimmen die Abstimmungen im eigenen Unternehmen das Tempo stärker als die Gestaltung.

Was kostet ein Corporate Design?

Die Kosten hängen vom Umfang des Workshops, der Zahl der Entwurfsrichtungen, der Menge an Anwendungen und von Zusatzkosten wie Schriftlizenzen oder Fotoshootings ab. Bei dpi Design gilt: Preis auf Anfrage, nach dem kostenlosen Erstgespräch erhalten Sie innerhalb von drei Werktagen ein Festpreisangebot.

Wie oft sollte man das Corporate Design erneuern?

Einen festen Rhythmus gibt es nicht. Ein gutes Corporate Design ist auf viele Jahre angelegt und wird eher behutsam weiterentwickelt als ersetzt. Anlässe für eine Überarbeitung sind zum Beispiel eine neue Ausrichtung, ein Zusammenschluss, ein neuer Markt oder ein Auftritt, der digital nicht mehr funktioniert.

Erzählen Sie uns von Ihrem Projekt.

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