Viele Unternehmenswebsites laufen seit Jahren auf TYPO3. Irgendwann steht ein großer Versionssprung an, die betreuende Agentur ist nicht mehr da, oder das Team kommt mit dem Backend nicht zurecht. Dann taucht die Frage auf, ob ein Wechsel von TYPO3 zu WordPress sinnvoll ist. Hier erfahren Sie, wann sich der Umstieg lohnt, wann Sie besser bei TYPO3 bleiben und wie eine Migration Schritt für Schritt abläuft.
Warum Unternehmen über den Wechsel nachdenken
Der Anstoß kommt selten aus dem Nichts. Meist steht einer dieser Anlässe dahinter:
- Ein Versionssprung steht an: Der Wechsel zwischen zwei LTS-Versionen von TYPO3 ist oft ein eigenes Projekt, weil Erweiterungen, TypoScript und Templates angepasst werden müssen.
- Die Version läuft aus dem Support: Nach dem Ende der regulären Unterstützung gibt es Sicherheitsupdates nur noch über den kostenpflichtigen erweiterten Support (ELTS).
- Die Betreuung wackelt: Die Agentur, die die Website erstellt hat, arbeitet nicht mehr mit TYPO3, oder eigene Erweiterungen kennt niemand mehr.
- Die Pflege ist zu umständlich: Für einfache Änderungen braucht das Team Hilfe, weil Seitenbaum, Inhaltselemente und Rechte schwer zu durchschauen sind.
- Design und Technik sind veraltet: Die Website ist auf dem Smartphone schwer zu bedienen, lädt langsam oder ist nicht barrierearm.
Keiner dieser Punkte bedeutet automatisch, dass WordPress die richtige Antwort ist. Oft wäre auch ein Update auf eine aktuelle TYPO3-Version oder ein Relaunch mit TYPO3 möglich. Den Ausschlag sollten Ihre Anforderungen geben; die momentane Beliebtheit eines Systems ist dafür kein Maßstab.
Wann ein Wechsel sinnvoll ist und wann nicht
Das spricht für WordPress
- Ihre Website ist eine klassische Unternehmenswebsite mit Leistungen, Referenzen, Ratgeber und Kontakt
- Wenige Personen pflegen die Inhalte und sollen das ohne lange Schulung selbst erledigen
- Sie brauchen keine fein abgestuften Rechte für viele Redakteure
- Sie möchten aus einem großen Angebot an Agenturen, Entwicklern und Erweiterungen wählen können
- Die bestehende TYPO3-Installation müsste ohnehin grundlegend erneuert werden
- Ein Onlineshop mit WooCommerce soll dazukommen
Das spricht für TYPO3
- Sehr viele Redakteure mit unterschiedlichen Rechten, etwa nach Abteilungen oder Seitenbereichen getrennt
- Freigabeprozesse, bei denen Änderungen erst geprüft und dann veröffentlicht werden, wie es die Workspaces in TYPO3 ermöglichen
- Viele Websites oder Sprachversionen aus einer Installation mit gemeinsamer Verwaltung
- Tiefe Anbindungen an andere Systeme, die als eigene TYPO3-Erweiterungen umgesetzt sind
- Ein aktuelles, gepflegtes TYPO3 und ein Team, das gut damit arbeitet
Treffen mehrere Punkte aus der zweiten Liste zu, ist ein Update oder Relaunch mit TYPO3 oft die bessere Wahl. WordPress kann vieles davon über Plugins oder eigene Entwicklung nachbilden, doch dann schwindet der Vorteil der einfachen Pflege.
TYPO3 und WordPress im sachlichen Vergleich
Beide Systeme sind Open Source, ohne Lizenzkosten nutzbar und basieren auf PHP und einer Datenbank. Die Unterschiede liegen in Ausrichtung, Aufbau und Pflege.
| Kriterium | TYPO3 | WordPress |
|---|---|---|
| Ausrichtung | CMS für größere Websites und Organisationen, besonders im deutschsprachigen Raum verbreitet | Universelles CMS, laut W3Techs das weltweit meistgenutzte, vom Blog bis zur Unternehmenswebsite |
| Bedienung | Seitenbaum mit Inhaltselementen, viele Einstellungen, braucht Einarbeitung | Seiten und Beiträge im Block-Editor, für Redakteure meist schnell erlernbar |
| Erweiterungen | Extensions, kleinere Auswahl, oft von Agenturen entwickelt | Plugins, sehr große Auswahl, Qualität sehr unterschiedlich |
| Rechte und Freigaben | Fein abgestufte Rechte, Workspaces für Freigaben im Kern | Feste Rollen wie Administrator, Redakteur und Autor, erweiterbar per Plugin |
| Updates | LTS-Versionen mit langer Unterstützung, große Versionssprünge aufwendig | Häufige Updates, kleinere Sicherheitsupdates des Kerns automatisch, Plugins und Theme brauchen Pflege |
| Mehrsprachigkeit | Im Kern enthalten | Über Plugins |
| Templates | Fluid und TypoScript | Themes in PHP oder als Block-Theme |
| Hosting | PHP und Datenbank, Installation meist über Composer | PHP und Datenbank, bei nahezu jedem Hoster lauffähig |
| Agenturen und Entwickler | Kleinerer, spezialisierter Markt | Sehr großer Markt |
Beide Systeme haben eigene Sicherheitsteams, die Lücken schließen. Bei WordPress liegt das größere Risiko meist in veralteten Plugins und Themes, bei TYPO3 in Installationen, die nicht auf eine unterstützte Version gebracht wurden. Mit regelmäßigen Updates lassen sich beide sicher betreiben. Wie das bei WordPress aussieht, lesen Sie unter WordPress-Sicherheit und WordPress-Wartung.
So läuft die Migration ab
Ein Wechsel von TYPO3 zu WordPress ist ein Relaunch mit zusätzlicher Datenübernahme. Alle Aufgaben eines Relaunchs gelten deshalb auch hier, von der Bestandsaufnahme bis zum Monitoring. Die Relaunch-Checkliste hilft, nichts zu vergessen. Speziell für den Systemwechsel sieht der Ablauf so aus:
Inventur der TYPO3-Website
Seitenbaum, Inhaltselemente, News und andere Datensätze, Dateien im fileadmin, Formulare, Benutzer, Sprachversionen und alle installierten Erweiterungen erfassen. Dazu kommt eine vollständige Liste aller URLs aus Crawl, Sitemap und Search Console, ergänzt um Traffic, Rankings und Backlinks.
Zielstruktur festlegen
Entscheiden, was in WordPress eine Seite, ein Beitrag oder ein eigener Inhaltstyp wird. News werden meist zu Beiträgen, Referenzen, Stellenanzeigen oder Teammitglieder zu eigenen Inhaltstypen mit passenden Feldern. Ein Content-Audit klärt, welche Inhalte überhaupt mitkommen.
Design und Theme umsetzen
TYPO3-Templates lassen sich nicht übertragen. Das Design entsteht als WordPress-Theme neu, was eine gute Gelegenheit für ein zeitgemäßes Webdesign ist. Die Erstellung des Themes läuft parallel zur Vorbereitung der Daten. Wir setzen dafür ein eigenes Theme ohne Page-Builder ein.
Inhalte und Medien übertragen
Texte, Bilder und Dateien werden manuell, halbautomatisch oder per Skript übernommen und anschließend geprüft. Details dazu im nächsten Abschnitt.
Funktionen und Benutzer umsetzen
Für jede TYPO3-Erweiterung festlegen, wie WordPress die Funktion abbildet, Benutzer mit passenden Rollen anlegen und Formulare neu einrichten.
Weiterleitungen einrichten
Jede alte URL bekommt ein neues Ziel. Bei TYPO3 gehören dazu auch Parameter-Adressen und alte URL-Muster.
Testen, live gehen, beobachten
Auf der Testumgebung alles prüfen, dann umstellen und Rankings, Fehlerseiten und Anfragen in den Wochen danach eng beobachten.
Inhalte übertragen: manuell oder automatisiert
Wie Inhalte umziehen, hängt von Menge und Aufbau der Daten ab. Einen Knopf, der eine TYPO3-Website fertig in WordPress umwandelt, gibt es nicht. Es gibt aber verschiedene Wege mit unterschiedlichem Aufwand:
| Methode | Geeignet für | Zu beachten |
|---|---|---|
| Manuell | Kleine Websites mit wenigen Dutzend Seiten, deren Texte ohnehin überarbeitet werden | Zeitaufwendig, aber gute Gelegenheit, Inhalte zu verbessern |
| Halbautomatisch per Export und Import | Viele gleichartige Datensätze wie News oder Referenzen | Export als CSV oder XML, Import zum Beispiel mit WP All Import, Felder müssen zugeordnet werden |
| Per Skript aus der Datenbank | Große Websites mit vielen Seiten und Verknüpfungen | Braucht Entwickler, die beide Datenstrukturen kennen |
Eine technische Besonderheit betrifft den Seitenaufbau. TYPO3 speichert Seiten und Inhaltselemente getrennt: Eine Seite besteht aus mehreren Elementen, die in Spalten angeordnet sind. In WordPress wird daraus meist eine Seite oder ein Beitrag mit Blöcken. Interne Links speichert TYPO3 in neueren Versionen in einer eigenen Form wie t3://page?uid=12. Diese Verweise müssen beim Import in echte WordPress-Adressen umgewandelt werden, sonst führen sie ins Leere. Auch das HTML aus dem alten Editor sollte bereinigt werden, etwa von Inline-Formatierungen und leeren Absätzen.
Medien, Benutzer und Erweiterungen
Medien
Dateien liegen in TYPO3 im Verzeichnis fileadmin und sind über Dateiverweise mit den Inhalten verknüpft. Alternativtexte und Titel hängen an den Metadaten der Datei oder am jeweiligen Verweis. Beim Import in die WordPress-Mediathek müssen diese Texte zusammen mit den Dateien umziehen. Prüfen Sie außerdem, welche PDFs oder Bilder von außen verlinkt sind: Ihre Adressen ändern sich und brauchen eine Weiterleitung.
Benutzer
Backend-Benutzer werden zu WordPress-Benutzern mit passenden Rollen. Passwörter lassen sich in der Regel nicht übernehmen, weil beide Systeme sie unterschiedlich gesichert speichern, also vergeben die Benutzer nach dem Umzug ein neues Passwort. Gibt es Frontend-Benutzer, etwa für einen geschützten Kundenbereich, braucht WordPress dafür ein Plugin für Mitgliederbereiche oder eine eigene Entwicklung. Ob und wie personenbezogene Daten übertragen werden dürfen, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Erweiterungen und Funktionen
Für jede TYPO3-Erweiterung entscheiden Sie: Deckt WordPress das von Haus aus ab, reicht ein bewährtes Plugin, braucht es eine eigene Entwicklung, oder kann die Funktion entfallen?
| Funktion in TYPO3 | Typische Lösung in WordPress |
|---|---|
| News-Erweiterung | Beiträge mit Kategorien |
| Formulare, etwa über das Form Framework oder powermail | Formular-Plugin oder eigenes Formular im Theme |
| SEO-Einstellungen und Sitemap | WordPress-Kern plus SEO-Plugin |
| Eigene Datensätze wie Referenzen oder Stellen | Eigene Inhaltstypen mit Feldern |
| Geschützter Bereich für Kunden | Plugin für Mitgliederbereiche oder eigene Entwicklung |
| Suche | WordPress-Suche oder Such-Plugin |
Plugins sollten Sie sparsam einsetzen, denn jedes muss gepflegt werden und kann die Ladezeit belasten. Worauf Sie bei der Auswahl achten, lesen Sie im Artikel WordPress-Plugins.
URLs, Weiterleitungen und Suchmaschinenoptimierung
Hier entscheidet sich, ob Ihre Rankings bei Google den Wechsel überstehen. TYPO3-Websites haben oft mehrere URL-Formen nebeneinander:
- Parameter-URLs wie
/index.php?id=12, bei Sprachversionen mit einem Zusatz wie&L=1 - Sprechende URLs aus der früher verbreiteten Erweiterung RealURL, je nach Konfiguration mit
.htmlam Ende - Seit Version 9 auch sprechende URLs aus dem TYPO3-Kern
- Detailseiten von Erweiterungen mit langen Parametern und einem
cHash
Alle diese Formen gehören in den Weiterleitungsplan, auch wenn sie nur noch über alte Links oder den Google-Index erreichbar sind. Parameter-URLs brauchen auf Apache eine Bedingung auf den Query-String. Beispiele dafür stehen im Artikel 301-Weiterleitung. Wie Sie Rankings insgesamt sichern, lesen Sie unter Relaunch und SEO. Seitentitel, Beschreibungen und Überschriften der gut rankenden Seiten sollten mit umziehen. Nach dem Livegang prüfen Sie die Google Search Console auf Fehlerseiten.
Bestehende Sprachversionen mitdenken
TYPO3 verwaltet Sprachen im Kern, WordPress braucht dafür ein Plugin. Hat Ihre Website heute mehrere Sprachversionen, müssen diese im Plan mitgedacht werden: Welche Sprachen bleiben, wie lauten ihre URLs, wie werden Übersetzungen verknüpft und weitergeleitet? Klären Sie das vor dem Angebot, denn es beeinflusst den Aufwand deutlich.
Wovon Aufwand und Kosten abhängen
Pauschale Preise sind bei einer Migration nicht seriös, weil sich TYPO3-Installationen stark unterscheiden. Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für Datenübernahme und Erstellung Ihrer neuen Website:
- Anzahl der Seiten, Inhaltselemente und Datensätze
- Anzahl und Art der Erweiterungen, vor allem eigene Entwicklungen
- Qualität der Daten: sauberes HTML oder viele Sonderformatierungen
- Neues Design oder Übernahme des bisherigen Aufbaus
- Überarbeitung der Texte im Zuge des Umzugs
- Benutzer, geschützte Bereiche und Schnittstellen zu anderen Systemen
- Bestehende Sprachversionen
- Umfang des Weiterleitungsplans
Dazu kommen laufende Kosten für Hosting und Wartung. WordPress selbst kostet keine Lizenzgebühr, braucht aber regelmäßige Updates für Kern, Theme und Plugins, am besten im Rahmen einer WordPress-Wartung. Für den Betrieb bieten wir WordPress-Hosting mit Servern in Deutschland an.
Umzug zu WordPress mit dpi Design
Von TYPO3 zu WordPress, ohne Rankings zu verlieren
Als WordPress-Agentur erstellen wir Websites mit eigenem Theme ohne Page-Builder. Beim Wechsel von TYPO3 kümmern wir uns um Inventur, Datenübernahme, Weiterleitungen und Monitoring, wie bei jedem Website-Relaunch. Den Preis nennen wir auf Anfrage: Nach dem kostenlosen Erstgespräch und einem Blick auf Ihre TYPO3-Installation erhalten Sie innerhalb von drei Werktagen ein Festpreisangebot. Wenn Sie eine neue Website erstellen lassen möchten, ohne Inhalte zu übernehmen, lesen Sie unter Website erstellen lassen weiter.
Häufige Fragen
Kann man TYPO3-Inhalte automatisch zu WordPress übertragen?
Teilweise. Datensätze wie News oder Referenzen lassen sich gut per Export und Import oder per Skript übertragen. Seiten aus mehreren Inhaltselementen, interne Links und Sonderformatierungen brauchen fast immer Nacharbeit. Ein vollautomatischer Umzug ohne Prüfung ist selten zu empfehlen.
Verliere ich beim Wechsel meine Google-Rankings?
Nicht, wenn der Umzug sauber geplant ist. Dazu gehören ein vollständiger Weiterleitungsplan für alle alten URL-Formen, übernommene Inhalte und Metadaten sowie ein enges Monitoring nach dem Livegang. Kurzfristige Schwankungen in den ersten Wochen sind normal.
Wie lange dauert eine Migration von TYPO3 zu WordPress?
Das hängt vor allem von der Zahl der Seiten, den Erweiterungen und davon ab, ob das Design neu entsteht. Für eine typische Unternehmenswebsite ist der Zeitrahmen ähnlich wie bei einem Relaunch. Einen konkreten Zeitplan erhalten Sie zusammen mit dem Angebot.
Ist WordPress sicherer als TYPO3?
Nicht grundsätzlich. Beide Systeme lassen sich sicher betreiben, wenn Kern, Erweiterungen und Server aktuell gehalten werden. Bei WordPress ist die Pflege der Plugins der wichtigste Punkt, bei TYPO3 der rechtzeitige Wechsel auf unterstützte Versionen.
Können wir das Design unserer TYPO3-Website behalten?
Das Aussehen lässt sich in einem WordPress-Theme nachbauen, die TYPO3-Templates selbst aber nicht übernehmen. Weil das Theme ohnehin neu entsteht, nutzen viele Unternehmen den Wechsel für ein überarbeitetes Design, das auf Smartphones besser funktioniert und barrierearm ist.






